engagement associatif https://www.ouvroir.fr/apropos/index.php?id=287 Gliederungsebene fr 0 Catastrophes et capitalisme. Produire et tirer profit des feux de forêt dans les Landes de Gascogne (2022) https://www.ouvroir.fr/apropos/index.php?id=284 Isabelle Desportes s’intéresse à la fabrique des catastrophes naturelles à travers l’exemple des feux qui ont ravagé, à l’été 2022, la forêt des Landes de Gascogne. Ces catastrophes sont qualifiées de naturelles alors qu’elles ne le sont pourtant pas : d’une part, parce que les activités humaines, via le réchauffement climatique, affectent de plus en plus la probabilité de survenance des phénomènes météorologiques qui les déclenchent ; d’autre part, parce que la vulnérabilité des territoires à ces risques est le produit de la dynamique d’accumulation du capital et de stratégies foncière dans la longue durée, tel que le développement forestier puis touristique dans le cas des Landes. Mais le capital trouve aussi à se déployer avec la catastrophe, soit que la prévention et la gestion des catastrophes soient traversées de logique néolibérale, soit que la catastrophe elle-même ouvre de nouveaux espaces à l’appropriation capitaliste. Der Aufsatz untersucht die Waldbrände in den Landes de Gascogne bei Bordeaux im Sommer 2022, die von den meisten Betroffenen als ein überwältigendes kollektives Ereignis erlebt wurden. Mehr als 30.000 Hektar Fläche wurden zerstört, über 50.000 Menschen evakuiert und rund 3.000 Feuerwehrkräfte aus 60 französischen Départements sowie sieben europäischen Ländern waren im Einsatz. Aufbauend auf drei Monaten Feldforschung in der Region (März – Mai 2025), einschließlich Geländebegehungen, Analyse von Sekundärermaterial und 35 halbstrukturierter qualitativer Interviews, wird das Spannungsfeld zwischen „verengten“ und „erweiterten“ Deutungs- und Handlungsspielräumen im Umgang mit Katastrophen beleuchtet. Die beiden von Bränden heimgesuchten Wälder unterscheiden sich in Topografie, Eigentumsstrukturen und Bewirtschaftungsformen. Rund um La Teste-de-Buch werden sie traditionell genutzt oder staatlich verwaltet, westlich der Gemeinde Landiras ist die Landschaft von privater Kiefer-Monokultur geprägt. Trotz dieser Unterschiede weisen beide Gebiete ähnliche, historisch verankerte Dynamiken der Risikoproduktion auf. Diese sind eng mit ökonomischem Nutzungsdruck verknüpft – sei es durch Übertourismus, Urbanisierung oder intensive Forstwirtschaft – häufig auf Kosten von Umwelt- und Risikoprävention. Der Aufsatz verfolgt zwei zentrale Ziele. Erstens wird aufgezeigt, wie das neoliberale Paradigma den Umgang vieler staatlicher und mächtiger privater Akteure mit den Waldbränden auf technische und individuelle Lösungsansätze verengt – etwa auf private Versicherungen, auf für Anlieger verschärfte Pflichten zur Räumung von Unterholz oder auf Investitionen in Überwachungs- und Brandbekämpfungstechnik. Zweitens wirft die Studie Licht auf kommunale und zivilgesellschaftliche Initiativen wie juristische Auseinandersetzungen um Risikopräventionspläne oder Proteste gegen neue Ölbohrungen auf verbrannten Flächen. Diese zeichnet aus, dass sie die lokale mit der globalen Ebene verknüpfen, eine größere zeitliche Skala anlegen (und damit historische Risikoproduktionsprozesse, den Klimawandel und die Rechte künftiger Generationen miteinbeziehen) und neue Themen einbringen: Forstpolitik, Korruptionsbekämpfung, den Erhalt öffentlicher Dienstleistungen oder die Rechte der Natur. Die Brände erscheinen somit sowohl als Symptom der Klimakrise als auch als Katalysator gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Eine systematische Integration sozialer und ökologischer Gerechtigkeitsfragen in die Katastrophendeutung sowie eine tiefgreifende sozio-ökologische Transformation – jenseits kapitalistischer Wachstumslogiken – erweisen sich als Voraussetzungen, um zukünftige Risiken gerechter und wirksamer zu bewältigen. mer., 14 janv. 2026 10:56:12 +0100 mer., 21 janv. 2026 14:34:50 +0100 https://www.ouvroir.fr/apropos/index.php?id=284